Gedanken vom Meer - Ist da noch jemand?

Manchmal sitze ich hier und schaue aufs Meer.

Eigentlich ist alles da. Ein Zuhause, das ich liebe. Mein Garten, meine Katze, meine Bilder und meine Geschichten. Die Insel, die mir nach all den Jahren noch immer Orte zeigt, die ich nicht kenne.

Ich kann allein sein. Ich habe gelernt, Entscheidungen allein zu treffen, Probleme zu lösen und meinen eigenen Weg zu gehen.

Und trotzdem frage ich mich manchmal:

Ist da noch jemand?

Ein Mensch, der vielleicht gerade irgendwo sitzt und einen ähnlichen Gedanken hat.

Jemand, der sein Leben ebenfalls gelebt hat und nicht mehr bei null anfangen muss. Der seine Geschichten mitbringt, seine Eigenheiten und vielleicht auch ein paar Narben. Einer, der nicht vollkommen sein muss und von mir auch keine Vollkommenheit erwartet.

Ich bin 65. In diesem Alter bekommt das Wort Liebe für mich eine andere Bedeutung.

Es geht nicht mehr darum, gemeinsam eine Zukunft zu erfinden, die unendlich scheint. Vielleicht geht es gerade deshalb viel stärker um die Gegenwart.

Um einen Kaffee am Morgen und die Frage: Was machen wir heute?

Darum, ins Auto zu steigen und irgendeiner Straße auf Fuerteventura zu folgen, nur um herauszufinden, wo sie endet.

Darum, zusammen zu kochen, zu lachen und manchmal unterschiedlicher Meinung zu sein.

Darum, abends ein Glas Wein zu trinken und über Dinge zu sprechen, für die es keine einfachen Antworten gibt.

Und auch um die ganz gewöhnlichen Probleme des Lebens. Wenn etwas kaputtgeht. Wenn eine Entscheidung getroffen werden muss. Wenn einer von beiden einen schlechten Tag hat.

Nicht immer „ich“.

Manchmal wieder „wir“.

Ich weiß nicht, ob ich das Partnerschaft nennen möchte. Liebe? Eine späte Liebesgeschichte? Vielleicht braucht es am Anfang überhaupt keinen Namen.

Ich wünsche mir einen Menschen, der neugierig geblieben ist. Der Nähe mag, ohne den anderen einzuengen. Der seinen eigenen Kopf und seine eigenen Interessen hat und trotzdem Freude daran findet, etwas miteinander aufzubauen.

Ich möchte niemanden finden, der einfach in mein fertiges Leben hineinpasst.

So fertig ist mein Leben nämlich gar nicht.

Ich möchte noch entdecken. Malen. Schreiben. Über Unsinn lachen. Mich über etwas aufregen. Pläne machen und sie wieder verwerfen. Einen unbekannten Weg nehmen. Und manchmal einfach nur dasitzen und aufs Meer schauen.

Vielleicht allein.

Vielleicht irgendwann wieder zu zweit. 




Und vielleicht liest das irgendwo jemand, der sich in meinen Gedanken wiederfindet. Dann schreib mir gern über das Kontaktformular.




 

Willkommen in meiner Welt der Märchen und Geschichten.